Ausstellung: Kirchfahrer, Buschprediger, betende Kinder

Foto: Ausschnitt Veranstaltungsplakat, Haus Schlesien

KIRCHFAHRER, BUSCHPREDIGER, BETENDE KINDER
500 Jahre evangelisches Leben in Schlesien
Ausstellung vom 26. März bis 8. Oktober 2017.

Zum Reformationsjubiläum 2017 zeigt Haus Schlesien die deutsch-polnische Wanderausstellung „Kirchfahrer, Buschprediger, Betende Kinder. 500 Jahre evangelisches Leben in Schlesien“, die vom Schlesischen Museum zu Görlitz und der Kulturreferentin für Schlesien, Dr. Annemarie Franke konzipiert wurde und die durch zahlreiche Exponate aus der Sammlung Haus Schlesien ergänzt wird. Die Darstellung beginnt mit der Reformation und reicht bis in die heutige Zeit.

Das reformatorische Geschehen veränderte das politische und konfessionelle Gefüge in Europa tiefgreifend. Es wirkte sich auf die Reiche und Territorien ebenso aus wie auf die Regionen, Städte und Herrschaften. Die lutherische Reformation und die personellen „reformatorischen Netzwerke“ erstreckten sich mit bis heute wirksamen Folgen auch auf das östliche und südöstliche Europa: Als städtisches Phänomen zeigt sich bereits sehr früh der reformatorische Einfluss aus Wittenberg etwa in der Stadt Breslau.

Die Ausstellung verdeutlicht, wie sich seit den 1520er Jahren die Lehre Martin Luthers im Bürgertum und im niederen Adel ausbreitete und bald auch unter den schlesischen Fürsten einflussreiche Förderer fand. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts waren drei Viertel der Gemeinden Schlesiens evangelisch geworden. Für mehr als 200 Jahre war das Land eine von Glaubensdiversität geprägte Sphäre. Informationen und Bilder von Ereignissen, Orten und Persönlichkeiten stellen die Auseinandersetzung zwischen katholischem und evangelischem Bekenntnis in Schlesien dar. Die Friedens- und die Gnadenkirchen stehen für den Kampf des schlesischen Protestantismus um Selbstbehauptung im Zeitalter der Gegenreformation. Im 18. Jahrhundert schließlich entwickelte sich Schlesien zu einem bikonfessionellen Land. Die „schlesische Toleranz“ setzte sich durch.

Die Schau verfolgt die Geschichte der Protestantismus in Schlesien in der Epoche der Industrialisierung und durch die Katastrophen und Bewährungen des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Ein „roter Faden“ ist die Frage nach der Aktualität des Protestantismus und seiner Geschichte in einem heute überwiegend katholischen Land. Gerade die polnische evangelische Minderheit wurde seit den 1960er Jahren in Zusammenarbeit mit den heimatvertriebenen schlesischen Protestanten und der Evangelischen Kirche in beiden deutschen Staaten zu einem Träger der deutsch-polnischen Versöhnung.

Die Ausstellung ist ein Projekt des Schlesischen Museums zu Görlitz in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa, Potsdam sowie weiteren Partnern. Es ist Bestandteil des DKF-Projekts „Die Reformation im östlichen Europa”. Das Projekt richtet sich an die deutsche Öffentlichkeit wie auch an die Nachbargesellschaften und möchte Einblicke in die durch die Reformation und ihre Ausstrahlung geprägten kulturellen Verflechtungen Europas vermitteln.

Die Ausstellung ist im Haus Schlesien vom 26. März bis 8. Oktober 2017 zu sehen und wird über die gesamte Laufzeit sinnvoll durch Veranstaltungen ergänzt. Eine Tagung, Vorträge, eine Buchvorstellung sowie eine Reise greifen die Thematik der Reformation in Schlesien wiederholt auf.

Haus Schlesien
Dollendorfer Str. 412
53639 Königswinter
Tel.: 0 22 44 / 88 60