Eisern gesammelt – Ausstellung in Haus Schlesien

Königliche Eisengießerei bei Gleiwitz, Lithographie, in: Wilhelm Salewski, Alte Eisenwerke in Schlesien und Mähren, Holzminden 1962.

Gerhard Biadacz
31. Januar bis 8. Mai 2016

Öffnungszeiten der Ausstellungen
Di-Fr 10-12 und 13-17 Uhr, Sa, So und Feiertag 11-18 Uhr
Öffnungszeiten des Museums über die Feiertage
Heiligabend, 1. Weihnachtstag und vom 31. Dezember 2015 bis 4. Januar 2016 geschlossen.

 

Die Entstehung der Eisenhütten in Oberschlesien markierte den Beginn der Industrialisierung der Region. Eisen benötigte man zur Herstellung von Maschinenteilen und Waffen, es war aber auch die Grundvoraussetzung für den Siegeszug der Eisenbahn und schuf völlig neue Möglichkeiten im Bauwesen. Kaum einer denkt aber heute bei Eisen an filigrane Kunst. Doch neben der Entwicklung neuer Verfahren zur Eisen- und Stahlproduktion brachte das Ende des 18. Jahrhunderts auch die Verfeinerung des Eisengusses.

Friedrich Wilhelm Graf von Reden, Eisenguß, Gleiwitz 1852
Friedrich Wilhelm Graf von Reden, Eisenguß, Gleiwitz 1852

Der schlesische Eisenkunstguss erlangte aufgrund seiner Qualität große Bekanntheit. Zu verdanken ist diese einer planvollen staatlichen Förderung, die unter Friedrich II. Mitte des 18. Jahrhunderts begann. Die Königlich Preußische Eisengießerei in Gleiwitz nahm ihren Betrieb 1796 auf und sollte den Mangel an günstigen Eisengusswaren in Preußen beheben. Die Nachfrage nach Eisen war im 18. Jahrhundert stetig gestiegen, da das Material außer für die militärische Produktion zunehmend auch in der Industrie verwendet wurde. Darüber hinaus fand es in immer neuen Bereichen Verwendung, so in der Architektur oder für die Herstellung von Gebrauchsgegenständen wie zum Beispiel Kochgeschirr. Dass die erste königliche Eisengießerei im oberschlesischen Gleiwitz errichtet wurde, lag an den günstigen Standortbedingungen dort: die nötigen Rohstoffe waren in unmittelbarer Nähe reichlich vorhanden, wodurch sich lange Transportwege vermeiden ließen, und die verkehrstechnische Erschließung verbesserte sich durch die Fertigstellung des Klodnitzkanals 1812.

Ihren wirtschaftlichen Erfolg verdankte die Gleiwitzer Eisengießerei vor allem ihren Gründervätern Friedrich Anton Freiherr von Heinitz (1725 – 1802) und seinem Neffen Friedrich Wilhelm Graf von Reden (1752 – 1815), die die Hütte mit modernster Technik ausstatteten. Hier wurde 1796 der erste Kokshochofen auf dem europäischen Festland in Betrieb genommen.
In erster Linie sollten in Gleiwitz technische Anlagen und Maschinenteile für den preußischen Markt produziert werden, doch bereits nach zwei Jahren begann man parallel mit der Herstellung von Kunstgüssen. Damals wurden die ersten Gemmen gegossen, es folgten bald Medaillen, Plaketten, Reliefs, Schmuckstücke und Skulpturen. Es waren die technischen Produkte, die Kontinuität und Existenz sicherten, aber es war der Eisenkunstguss, der die Gleiwitzer Eisengießerei berühmt machte. Durch den Einsatz neuester Technologien ist eine in ihrer Qualität herausragende Produktion entstanden.

HAUS SCHLESIEN zeigt vom 31. Januar bis zum 8. Mai 2016 eine Auswahl von Eisenkunstgüssen aus der Sammlung von Gerhard Biadacz aus Bonn. Damit wird die im Jahr 2014 begonnene Ausstellungsreihe mit Sammlern schlesischen Kulturguts fortgesetzt. Die Sammlung des gebürtigen Gleiwitzers ist zwar noch vergleichsweise jung, denn seine Liebe zum Eisenkunstguss entdeckte er erst vor knapp zehn Jahren, doch mit mehr als 200 Stücken in ihrem Umfang beachtlich.
Ein Schwerpunkt der Sammlung liegt auf den Entwürfen von Peter Lipp. Der am 10. Februar 1902 in Berlin geborene Bildhauer begann seine Tätigkeit in Gleiwitz 1924 und blieb dort bis zur kriegsbedingten Schließung 1944. Sein Berliner Lehrmeister Professor Wilhelm Otto machte ihn seinerzeit darauf aufmerksam, dass die Preußische Bergwerks- und Hütten AG in Gleiwitz einen jungen Künstler suchte, der der traditionellen Kunstgießerei neue Impulse verleihen sollte.

Im Laufe der Zeit gelang es Peter Lipp durch seine Arbeiten, Veröffentlichungen und Vorträge einen großen Bekanntheitsgrad zu erlangen, woraufhin er diverse Auftragsarbeiten erhielt. Innerhalb von 20 Jahren wuchs die Belegschaft der Kunstgießerei in Gleiwitz von 12 auf 120 Mann. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Lipp zunächst als freischaffender Künstler, bevor er ab 1947 in der Firma Buderus in Hirzenhain begann, eine Abteilung für Kunstguss aufzubauen. Er verstarb 1975 im Alter von 73 Jahren.

Die Eröffnung findet am 31. Januar um 15 Uhr im Saal Riesengebirge statt. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Hartmut Koschyk, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Bundesministerium des Innern.
Silke Findeisen

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