Bürgermeister und skf (Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) unterzeichnen Kooperationsvereinbarung

Schon seit einigen Jahren arbeiten der Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Bonn und Rhein-Sieg-Kreis (skf) und das Jugendamt der Stadt erfolgreich in den „Frühen Hilfen“ zusammen. Nun haben beide Partner eine Kooperations- und Leistungsvereinbarung unterzeichnet und damit die gute Zusammenarbeit auch formal besiegelt. Die Leistungen, die der skf für die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt erbringt, sind die Aufsuchende Unterstützung von Schwangeren und Familien, Begrü.ungsbesuche im Krankenhaus und das Elterncafé Selhof. Neben dem skf unterstützen der Sommerberg der AWO und das Bonner Institut für Migrationsforschung als Träger von zwei weiteren Elterncafés die Aufgaben des Jugendamtes, die gesetzlich verpflichtend vorgeschrieben sind.

Rat sichert die Finanzierung und Fortbestand der Frühen Hilfen in Bad Honnef

Der Rat der Stadt Bad Honnef hatte aufgrund der Empfehlung des Jugendhilfeausschusses bereits den weiteren Ausbau des Netzwerks Frühe Hilfen und die Fortführung der dazu gehörigen Maßnahmen in Bad Honnef beschlossen und damit das gesetzlich verankerte Fortbestehen und die Finanzierung der Frühen Hilfen gesichert. Städtische Mittel und Bundesförderung ermöglichen die Unterstützung von jungen Familien und damit den präventiven Kinderschutz.

Prävention als Schwerpunktaufgabe des Jugendamtes von Anfang an

Immer wieder ist von Kindern zu lesen und zu hören, die misshandelt, missbraucht oder gar getötet werden. Nicht selten sind es die eigenen Eltern oder Vertrauenspersonen, die dem Kind etwas antun. Fehlendes Wissen um die Versorgung eines Kindes und Überforderung stecken oft dahinter, wenn Kinder krank werden, verwahrlosen oder sogar sterben.

Um Kinder zu schützen und ihnen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, werden über die Frühen Hilfen, einer Bundesinitiative auf Grundlage des Bundeskinderschutzgesetzes, den Eltern schon zur Zeit der Schwangerschaft und in den ersten Jahren danach Unterstützungsangebote gemacht.

Schwerpunkt der Arbeit des Jugendamtes Bad Honnef sollte Prävention sein: diesen Auftrag nahmen die Jugendamtsleiterin Helga Martini und ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Start des Jugendamtes am 01.01.2008 sehr ernst und begannen frühzeitig mit der Erstellung von entsprechenden Konzepten zum Schutz von Kindern. Das Jugendamt Bad Honnef möchte in erster Linie Hilfsbehörde sein, den Familien Angebote zur Unterstützung unterbreiten und erst als Kontrollbehörde auftreten, wenn erforderliche Hilfe nicht angenommen wird. Entsprechend sollen die Angebote aussehen. Niemand soll aus Angst vor dem Jugendamt auf Unterstützung verzichten müssen. Niederschwellige Angebote und das Zusammenwirken zahlreicher Partner im Netzwerk Frühe Hilfen bilden die Grundlage für den präventiven Kinderschutz in Bad Honnef.

„Hallo Baby“- Krankenhausbesuchsdienst

Bereits zur Zeit der Schwangerschaft und Entbindung steht den Bad Honnefer Eltern Beratung und tatkräftige Unterstützung zur Verfügung. Geschulte Ehrenamtlerinnen besuchen Mütter und ihre Neugeborenen auf der Entbindungsstation des CURAKrankenhauses in Bad Honnef und des Marienhospitals in Bonn. „Hallo Baby“ nennt sich der Krankenhausbesuchsdienst, den der SkF e.V. Bonn und Rhein-Sieg-Kreis im Auftrag des Jugendamtes organsiert. Die werdenden und jungen Mütter erhalten neben dem Wegweiser des Jugendamtes, dem sie wichtige Informationen und Adressen entnehmen können, konkrete Unterstützungsangebote, damit der Start der jungen Familie gut gelingt. Ein kleines Begrü.ungsgeschenk soll das Interesse wecken.

Willkommen – Begrüßungspaket

Eltern, die nicht über die Entbindungsstationen erreicht werden, erhalten ein Begrü.ungspaket nach Hause. Darin enthalten sind ein Begrü.ungswort des Bürgermeisters, Infomaterial und ein kleines Geschenk. Wenn die jungen Eltern möchten, können sie eine Hebammenbegleitung sowie eine ehrenamtliche Familienbegleitung kostenfrei in Anspruch nehmen. Die Koordination der Hilfe übernimmt die Fachberaterin des SkF e.V. Bonn und Rhein-Sieg-Kreis.

Aus eins mach drei – Elterncafés

Neben der Freude am Familienzuwachs werden Eltern auch von Ängsten und Sorgen geplagt: Wird das Kind gesund sein und bleiben? Werde ich meiner Verantwortung als Vater und Mutter gerecht? Was geschieht, wenn ich nicht genug Kraft habe, wenn ich selbst krank werde, wenn das Geld nicht reicht – wer hilft mir dann? Das neue Familienmitglied nimmt seine Eltern vollständig in Beschlag. Für Kontakte mit anderen bleibt den jungen Eltern oft keine Zeit oder es fehlt die Kraft dafür. Nicht alle haben Familie, Freunde, Bekannte, von denen sie Unterstützung und Entlastung erfahren könnten.

Um Eltern beziehungsweise Mütter oder Väter mit ihren Fragen und Nöten im wahrsten Sinn des Wortes nicht allein zu lassen, entstand schon früh die Idee, ein Elterncafé zu organisieren. Dort können sich Schwangere, Mütter und Väter von Säuglingen und Kleinstkindern wöchentlich treffen, um sich auszutauschen, sich gegenseitig Tipps zu geben, sich von ehrenamtlichen Helferenden unterstützen zu lassen und professionellen Rat in Anspruch zu nehmen. Das erste Elterncafé in Selhof wurde 2010 eröffnet. Der SkF e.V. Bonn und Rhein-Sieg-Kreis wurde vom Jugendamt mit der Organisation, der Beratung und der Suche nach Ehrenamtlern und deren Begleitung beauftragt. Der Erfolg ist gleichbleibend groß: Wöchentlich treffen sich hier regelmäßig zahlreiche Mütter mit ihren Kindern. Die Trägerschaft des Elterncafés in Aegidienberg, das 2012 eröffnet wurde, liegt beim Sommerberg der AWO. Auch den Familien in der Bergregion sollte ein solcher Treffpunkt wohnungsnah zur Verfügung stehen.

In 2011 startete das Internationale Müttercaf. für Familien aus anderen Kulturkreisen. Für die Trägerschaft wurde das Bonner Institut für Migrationsforschung und interkulturelles Lernen gewonnen. Die Besucher und Besucherinnen erhalten durch den Jugendmigrationsdienst u. a. tatkräftige Unterstützung bei der Vermittlung von Sprachkursen und in behördlichen und ausländerrechtlichen Fragen. In den Cafés wird neben dem lockeren Austausch auch Knowhow vermittelt. Referenten geben Informationen zu Themen wie Erziehung, Stillen, Zahnpflege und anderes.

Netzwerk Frühe Hilfen

Hinter diesen Angeboten liegt das weitgespannte Netzwerk aller Akteure und Akteurinnen, die in Verbindung mit jungen Familien und den kleinen Kindern stehen oder stehen könnten.

Das Netzwerk Frühe Hilfen Siebengebirge wurde bereits 2008 gegründet. Die Federführung liegt bei den Jugendämtern der Städte Bad Honnef und Königswinter. Die zahlreichen Netzwerkpartner/innen sind Vertreter/innen der Hebammen, des Sozialpsychiatrischen Dienstes, des Kinderschutzbundes, des jobcenters, der Fachberatungen Kindertagesbetreuung, der Kinderärzte, Frauenärzte, der Familienzentren, des CURA-Krankenhauses, der Familien-und Erziehungsberatungsstelle, der Frühf.rderstelle, der Therapeuten, der Schwangerschaftsberatungsstelle sowie der Anbieter der Jugendhilfe und der Polizei.

Alle verfolgen miteinander das Ziel, die Angebotsstruktur im Siebengebirge quantitativ und qualitativ bedarfsorientiert weiter zu entwickeln, um einen bestmöglichen präventiven Kinderschutz zu gewährleisten. Das gesamte Wissen und die Erfahrungen der unterschiedlichen Berufssparten werden auf regelmäßigen Zusammentreffen unter der Moderation der beiden Jugendämter zusammengetragen und nutzbar gemacht. Gemeinsame Projekte werden geplant und umgesetzt. So wurde zum Beispiel der Blick auf die Problematik der postnatalen Depression gelenkt, die nicht selten unerkannt bleibt. Zukünftig sollen Fachtage organisiert werden.

Koordination frühe Hilfen

Damit die Kooperation gelingt, am Leben bleibt und weiterentwickelt werden kann, bedarf es eines hohen Koordinationsaufwandes. Im Jugendamt Bad Honnef übernimmt diese Aufgabe die Koordinatorin für Netzwerke Frühe Hilfen, Marion Kramer. Sie ist Ansprechpartnerin für alle Fragen und Ideen im Zusammenhang mit den Frühen Hilfen.

Derzeit werden alle Mütter beziehungsweise Eltern von Neugeborenen über das Begrü.ungspaket erreicht. Daraus folgen Fragen, die Bitte um Unterstützung, Besuche in den Elterncafés, Inanspruchnahme von Beratung und Hausbesuchen. Regelmäßig wird überprüft, ob die Familien die Angebote annehmen, damit nicht an ihren Bedürfnissen vorbei geplant wird. Dazu wird ein Fragebogen erarbeitet, über den betroffene Familien ihre Wünsche und ihren Bedarf mitteilen können.

Informationen:

Die Frühen Hilfen sind eine Bundesinitiative auf Grundlage des Bundeskinderschutzgesetzes, das am 01.01.2012 in Kraft getreten ist. Die Ziele, die mit den Frühen Hilfen erreicht werden sollen, werden durch das Nationale Zentrum Frühe Hilfen, der Landeskoordinierungsstelle, definiert und werden auf der örtlichen Ebene bedarfsgerecht formuliert. Erreicht werden soll mit den Frühen Hilfen vor allem die Gruppe der 0-3jährigen. Ihre Rechte auf eine gute Entwicklung, auf Schutz, Förderung und Teilhabe sollen gesichert werden.

Ansprechpartnerin im Jugendamt ist Marion Kramer, Telefon 02224/184-272, marion.kramer@bad-honnef.de

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