Krippenausstellung im Haus Schlesien 

Passend zum aktuellen Projekt „Typisch schlesisch!? Regionalbewusstsein und schlesische Identitäten“ setzt HAUS SCHLESIEN bei seiner diesjährigen Weihnachtsausstellung (bis zum 2. Februar 2018) den Schwerpunkt auf typisch schlesische Traditionen und stellt diese rheinischen und anderen regionalen Bräuchen gegenüber.

Es sind vor allem die Festtage rund um Weihnachten, die bis heute in vielen Familien sehr traditionell gefeiert werden und anlässlich derer man auf alte, überlieferte Rezepte und Rituale zurückgreift. Diese Festtagsbräuche unterscheiden sich von Region zu Region deutlich und hängen von den landschaftlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten ab, von den dort lebenden Menschen, ihrem Glauben, ihren Geschichten und ihren Gewohnheiten. Schlesien war über die Jahrhunderte ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen, was, verstärkt durch seine wechselnden Zugehörigkeiten und mehrfache Zuwanderung, Lebensweise und Brauchtum stark beeinflusst und zu vielen lokalen Eigenheiten geführt hat. Viele Elemente, die im Laufe der Geschichte in die Region gelangt sind, haben sich mit der Zeit verbreitet, sind irgendwann als typisch schlesisch weitergegeben worden und haben sogar Eingang in volkskundliche Schriften gefunden.

An den Festtagen ist das Essen und Trinken von zentraler Bedeutung und geht über die bloße lebensnotwendige Nahrungszufuhr weit hinaus. Tischsitten, typische Zutaten und Rezepte sind regional sehr unterschiedlich, werden häufig über Generationen hinweg überliefert und haben eine äußerst identitätsstiftende Funktion. Welche Bedeutung vor allem die süßen Speisen haben, zeigt ein Blick in die aktuelle Sonderausstellung „Typisch schlesisch!? Regionalbewusstsein und schlesische Identitäten“. Gleich neben dem Eingang können hier die Besucher auf einem Zettel notieren, was für sie „typisch schlesisch“ ist. Einige haben ihre Gedanken dort bereits in Stichworten notiert und darunter sind die traditionellen, weihnachtlichen Köstlichkeiten reichlich vertreten, so zum Beispiel „Mohkließla“, „Neisser Konfekt“ oder „Liegnitzer Bombe“. Man kann daraus also den Schluss ziehen: Regionale Identität geht durch den Magen, ganz besonders gilt das an Weihnachten.

„Typisch schlesisch“ ist aber auch das am Heiligen Abend traditionell servierte „Neunerlei“. Das bedeutet, dass am 24. Dezember neunerlei, teilweise auch nur sieben verschiedene Speisen serviert wurden, denen allen eine symbolische Bedeutung zugeschrieben wurde. Die Zutaten variierten dabei durchaus von Landstrich zu Landstrich.

Aber nicht nur das Kulinarische hat deutlich erkennbare regionale Prägung. Auch die Weihnachtsdekoration und allen voran die Krippen sind sehr unterschiedlich gestaltet. Beeinflusst von den Kunsthandwerkertraditionen in den einzelnen Regionen, entstanden die Krippen in unterschiedlichen Techniken und aus verschiedenen Materialien. Auch die Darstellung der Figuren, ihre Kleidung und die Bauweise des Krippenhauses, spiegeln häufig regionale Besonderheiten wider. Weit verbreitet waren geschnitzte Holzkrippen. Im Riesengebirge wurden unter anderem an der bekannten Warmbrunner Holzschnitzschule neben großen Kirchenkrippen auch Hauskrippen gefertigt und in der Grafschaft Glatz sowie im Grulicher Ländchen hatte die Herstellung von Holzkrippen ebenfalls eine lange Tradition. In der Bunzlauer Gegend hingegen war der Ton vorherrschendes Material und so verwundert es nicht, dass häufig getöpferte Krippen hergestellt wurden. Bereits am 4. Dezember gedenkt man der Heiligen Barbara, die als Schutzpatronin der Bergleute besonders in Oberschlesien sehr verehrt wird. Entsprechend wird sie dort in der Vorweihnachtszeit mit festlichen Umzügen und fröhlichen Zusammenkünften von den Bergleuten gefeiert.

Diese und manch andere regionale Bräuche und Besonderheiten werden vom 1. Dezember 2017 bis 2. Februar 2018 in einer kleinen Sonderausstellung im HAUS SCHLESIEN präsentiert.

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