Sonderausstellung ab 13. Februar 2022

Braune Tontöpfe, mit Pfauenaugendekor verzierte Tassen, Teller aus den Porzellanmanufakturen in Tiefenfurt, Stadtansichten von Bunzlau, Fotoalben und andere Erinnerungsstücke aus Stadt und Kreis Bunzlau – mehr als 35 Jahre waren diese und zahlreiche andere mehr oder weniger große Schätze in Siegburg in der Bunzlauer Heimatstube zu bewundern. Gesammelt wurde freilich schon früher. Seit Stadt und Kreis Siegburg im Jahr 1953 die Patenschaft über die Vertriebenen aus Bunzlau und Umgebung übernommen hatten und sich hier regelmäßig die Bunzlauer aus dem ganzen Bundesgebiet trafen, wurden die unterschiedlichsten Objekte mit Bezug zur alten Heimat zusammengetragen. Die von Daheim geretteten Erinnerungsstücke oder Zeugnisse der Bunzlauer Kunstfertigkeit wollte man in guten Händen wissen und brachte sie zu den Treffen mit, um sie der Bundesheimatgruppe anzuvertrauen. Über die Jahrzehnte sammelte sich so Einiges an.

Im Jahr 1985 stellte die Patenstadt Siegburg der Heimatgruppe schließlich eigene Räumlichkeiten im Haus der Begegnung zur Verfügung. Die dort eingerichtete Heimatstube diente den Bunzlauern zum einen als Versammlungsort und zum anderen als Ausstellungsfläche, wo die Erinnerung und das reichhaltige Kulturerbe des einstigen Heimatkreises nicht nur bewahrt, sondern auch Schlesiern wie Einheimischen präsentiert werden konnte. Mit der Zeit kamen immer mehr Objekte zusammen, die einen Bezug zur Region hatten, es entwickelte sich eine ansehnliche Sammlung – hochwertiges Kunsthandwerk ist darin ebenso zu finden wie ganz banale Alltagsgegenstände. Mit großem Engagement haben sich die einstigen Bewohner Bunzlaus um diese Heimatstube gekümmert, mehrere Umzüge innerhalb der Stadt über sich ergehen lassen und bei ganz unterschiedlichen Veranstaltungen zahlreiche Besucher empfangen können. Deren Interessen waren vielfältig, von der Suche nach familiären Wurzeln bis zur Masterarbeit reichte die Bandbreite der Anfragen.

Schon seit mehr als einem Jahrzehnt ist die Zukunft der ostdeutschen Heimatstuben ein viel diskutiertes Thema in den Vertriebenenkreisen. Wer wird das Erbe der Erlebnisgeneration übernehmen? Wie sind die Erinnerungen und die Erinnerungsstücke zu bewahren? Wie und wo kann man sie präsentieren? Wo können sie eine dauerhafte Bleibe finden? Fragen mit denen sich HAUS SCHLESIEN seit 2010 intensiv auseinandersetzt und die immer wieder an die Mitarbeiter herangetragen werden – bedauerlicherweise nicht selten viel zu spät. Glücklicherweise haben sich die Verantwortlichen in Siegburg rechtzeitig Gedanken gemacht, was mit der Heimatstube und den Schätzen, die sie beherbergt, langfristig geschehen soll. Nach eingehenden Beratungen fiel der Entschluss, die Sammlung an HAUS SCHLESIEN abzugeben.

Daraufhin wurde am 9. Februar 2019 der Schenkungsvertrag von dem damaligen Vorsitzenden der Bundesheimatgruppe Peter Börner und Museumsleiterin Nicola Remig unterzeichnet. Nach einer längeren Übergangsfrist, die den Bunzlauern einen angemessenen Abschied von ihrer Heimatstube ermöglichte und beiden Institutionen dazu diente, eine geordnete Übergabe vorzubereiten, kamen die Exponate schließlich im März letzten Jahres nach Heisterbacherrott. Dort werden sie nun nach und nach in die Sammlung von HAUS SCHLESIEN eingegliedert. Da nur ein Bruchteil der Stücke in der künftigen Dauerausstellung langfristig Platz findet, wird ab 13. Februar unter dem Titel „Versammelte Erinnerungen“ eine größere Auswahl von Objekten und Archivalien aus der einst in Siegburg beheimateten Sammlung gezeigt.

Die Ausstellung präsentiert einen Querschnitt durch die Heimatsammlung und gewährt damit auch einen Einblick in die Jahrzehnte lange Arbeit der Bundesheimatgruppe der Bunzlauer. Natürlich wird die weltweit bekannte Keramik ebenso dort zu finden sein, wie Alltagsgegenstände, Kartenmaterial und Graphiken, Fotoalben und Postkarten. Viele dieser Exponate erzählen Geschichten von Flucht und Vertreibung, vom Heimatverlust, von der Bedeutung der Bunzlauer Keramik, der Kunstfertigkeit der Bunzlauer Töpfer und der Geschichte der Stadt und ihrer Umgebung. Die Ausstellung präsentiert einige dieser Hintergründe und möchte damit die Bedeutung der Heimatstuben als Erinnerungsort der Vertriebenen hervorheben.

Im Rahmen des Veranstaltungsformates „Schlesische Dreiviertelstunde“ werden auch Themenführungen durch die Ausstellung angeboten, die auf Anfrage von Gruppen mit mindestens fünf Personen auch separat gebucht werden können.

Öffnungszeiten:
Di bis Fr 10.00 – 17.00 Uhr
Sa und So 11.00 – 18.00 Uhr

Foto: © Haus Schlesien