Neugestaltung der Ausstellung des Dokumentations- und Informationszentrums im HAUS SCHLESIEN

HAUS SCHLESIEN hat im Laufe der mehr als vier Jahrzehnte seines Bestehens so manche Veränderung erfahren. Das „Stückchen Heimat“, das die Gründerväter und -mütter für alle Schlesieninteressierten seit Ende der 1970er Jahre im Rheinland nach und nach aufgebaut haben, hat etliche Herausforderungen überstanden: politische, finanzielle und strukturelle Veränderungen.

Einschneidend war vor allem die politische Wende von 1989, in deren Folge die verlorene Heimat für viele Schlesier ein ganzes Stück näher rückte und sich neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit den Menschen dort auftaten. Seit den 1990er Jahren wurde durch den Vorstand und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein enges Netzwerk mit polnischen und tschechischen Museen, Hochschulen, Vereinen und unterschiedlichsten Institutionen geknüpft. Gerade in der aktuellen Phase der Grenzschließungen und Hindernisse des gegenseitigen Besuches und Austausches ist es immer wieder erfreulich zu erleben, wie selbstverständlich die Beziehungen geworden sind und wie sehr sich die Partner über ein „Lebenszeichen“ und vorsichtig optimistische gemeinsame Zukunftspläne freuen.

Gegenüber den Anfangsjahren haben sich natürlich auch die Besucher des HAUS SCHLESIEN verändert. Die meisten kennen Schlesien nur noch vage aus Erzählungen der Großeltern oder Eltern, kommen mit erheblich weniger Wissen ins Haus, als diejenigen, die in den 1980er und 90er Jahren das Museum besuchten und sich selbstverständlich an der Fülle der „schönen Dinge“ aus Schlesien erfreuten, die dort zusammen getragen worden waren. Für sie war klar, dass Schlesien einst wichtiger Standort deutscher Porzellanproduktion war, dass das Riesengebirge für qualitätvolle Glaskunst stand, Leinen produziert und erfolgreich ins Ausland bis nach Amerika exportiert wurde, dass die Bunzlauer Keramik und die dortige Fachschule einen bedeutenden Keramikstandort bildete, dass das oberschlesische Industriegebiet reich an Bodenschätzen und damit ein einflussreicher Wirtschaftsstandort war. Den heutigen Gästen muss man diese Region in den allermeisten Fällen wesentlich grundlegender erklären, angefangen bei der geographischen Lage, den Besonderheiten der historischen Zugehörigkeiten und Herrschaftswechsel, den Folgen des Zweiten Weltkriegs mit dem Heimatverlust und vielem mehr. Zudem kommen nicht nur Besucher mit schlesischen Wurzeln, sondern auch viele Interessenten aus der Region, die neugierig sind auf HAUS SCHLESIEN und seine Aktivitäten, die angeregt werden, sich vielleicht erstmals mit der Geschichte Schlesiens und seiner kulturellen Bedeutung, auch für den Westen, zu beschäftigen.

Daher arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DIZ bereits seit einigen Jahren an der Vorbereitung einer neuen Dauerausstellung, die sich auf die Bedürfnisse des heutigen Publikums einstellt. Nicht nur auf dessen Vorwissen, sondern auch auf neue Sehgewohnheiten und Erwartungen an museale Präsentationsformen.

Angestoßen hatte diesen Prozess die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM), die dem DIZ eine Jahresförderung für die Kultur- und Erinnerungsarbeit gewährt. Mittlerweile ist Ende letzten Jahres die finanzielle Grundlage zur Umsetzung der Neuerungen gelegt worden. Dank tatkräftiger Unterstützung durch den regionalen Bundestagsabgeordneten, Dr. Norbert Röttgen MdB, und die Berichterstatterin für den Haushaltstitel der BKM, Patricia Lips MdB, ist es gelungen, die notwendigen Mittel für eine professionelle Rundumerneuerung des Museums im Bundeshaushalt der Jahre 2020 und 2021 zu verankern.

Zwei erfahrene Architekten wurden für das Großvorhaben gewonnen: Der bereits in Schlesien mit Museums- und Ausstellungsprojekten hervorgetretene Christopher Schmidt-Münzberg, der auch für die Wiederherrichtung des historischen Schlosses Wernersdorf im Hirschberger Tal verantwortlich ist. Vor Ort hält der Bonner Architekt Gunnar Freudiger die Fäden für die Ausführungsplanungen zusammen.

Für die Ausstellungsgestaltung selbst wird eine Gestaltungsfirma ausgewählt, die die Inhalte in eine zeitgemäße und ansprechende Form bringen soll. Das Team des DIZ bereitet seit geraumer Zeit die notwendigen Vorlagen vor und mit dem wissenschaftlichen Beirat werden diese Themen diskutiert und die Inhalte gemeinsam festgelegt.

Geplant ist, Schlesien und die Erinnerungskultur zu Schlesien, die im HAUS SCHLESIEN gepflegt wird, in der neuen Dauerausstellung anhand eines Rundgangs entlang flexibel gestaltbarer, jeweils eigenständiger, jedoch eng miteinander verbundener Themenmodule vorzustellen. Aufgrund der umfangreichen Sammlungsbestände liegt dabei der Fokus auf den Exponaten; wenn möglich sollen individuelle, persönliche Bezüge der Objekte die allgemeinen Zusammenhänge erfahrbar und anschaulich machen. Interaktive und mediale Vertiefungsebenen ergänzen wichtige Aspekte, nicht zuletzt, um die Ausstellung in die Seminararbeit mit Studentengruppen aus Schlesien und aus der Region einzubeziehen. Neue Präsentationsformen sollen künftig zudem vermehrt Schülergruppen aus den umliegenden Schulen ansprechen.

Sofern keine allzu großen Hindernisse wie die derzeitigen Einschränkungen durch die Pandemie auftreten, soll das Vorhaben zum Ende des Jahres 2021 abgeschlossen werden. Doch vor der großen Wiedereröffnung kommt in den kommenden Monaten eine Schließung. Für die Besucher heißt das, dass unsere Ausstellungen ab dem 5. Oktober 2020 geschlossen sind. Die monatlich stattfindenden Vortragsveranstaltungen finden aber wie gewohnt auch während der Schließung in unseren Veranstaltungsräumen statt. Eine Teileröffnung im späten Frühjahr 2021 mit einer ersten Sonderausstellung in neugestalteten Räumen soll die Wartezeit für unsere Besucher verkürzen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!

Nicola Remig
Leiterin des Dokumentations- und Informationszentrums

HAUS SCHLESIEN
Dokumentations- und Informationszentrum für schlesische Landeskunde
Dollendorfer Straße 412
53639 Königswinter
Tel: 02244 / 886 0
kultur@hausschlesien.de | www.hausschlesien.de

Foto: Haus Schlesien, PR